Kasper de Roo

Chefdirigent

Kasper de Roo gilt als renommierter Interpret der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. „Das ist meine Welt", sagt der gebürtige Niederländer über die Arbeit mit zeitgenössischer Musik und kann auf eine stattliche Anzahl von Werken verweisen, die er zur Aufführung brachte: weit über hundert Ur-aufführungen in Europa, Asien und den USA hat de Roo geleitet – was mitunter auch bedeutet, dass er in enger Zusammenarbeit mit den Komponist*innen wie ein "Geburtshelfer" das Werk ins Leben bringt. 
Große Namen sind da zu finden: Uraufführungen von Maurizio Kagel („Tantz-Schul"), Johannes Maria Staud („Violent Incidents") oder auch Sofia Gubaidulina („Stunde der Seele"). „Perfekt" ließ ihn die Grande Dame der Neuen Musik nach der Aufführung wissen. Aber genauso sind es viele junge Komponist*innen, denen Kasper de Roo da oder dort den Weg ebnet. Hoffnungsvolle Talente, die vielleicht erst in zwanzig, dreißig Jahren tatsächlich „entdeckt" werden. 
„Wir haben eine Verpflichtung gegenüber unserer Zeit", sagt der gefragte Dirigent, "dass wir hinein hören, was lebt in unserer Zeit, was ist der Nerv unserer Zeit!"
Immer wieder lockt das „Abenteuer Musik" und den Drang, „musikalisches Neuland" zu entdecken, hat der gelernte Fagottist und Dirigent schon früh in sich verspürt. 
Gerne erinnert er sich an sein außergewöhnliches Dirigentendebüt beim Cabrillo Music Festival (Aptos, Ca), wo er als Assistent von Dennis Russell Davies Eric Stokes „Five Verbs of Earth Encircled" dirigieren durfte. Die Musiker*innen waren um das Publikum herum gruppiert, und der Dirigent stand dementsprechend mit dem Gesicht zum Publikum alleine auf der Bühne. 
Außergewöhnlich war auch die Aufführung von Hans Werner Henzes „Orpheus" 1982 am Stuttgarter Staatstheater, William (Billy) Forsythe realisierte dabei seine erste abendfüllende Choreographie; ebenso die Arbeit an „Der Schuhu und die fliegende Prinzessin" von Udo Zimmermann gemeinsam mit Regisseur Harry Kupfer an der Niederländischen Oper Amsterdam (1983). 


 

Immer noch in starker Erinnerung: Die Aufführungen von Emanuel Nunes „Quodlibet", ein „Klingender Kosmos" an Musik, dessen Musiker im ganzen Raum verteilt, mit gleich zwei Dirigenten und riesigen Digitaluhren koordiniert wurden. „Eine einzigartige Erfahrung wie keine zweite in der Geschichte des Edinburgh Festival", stellte die Times fest.
Kasper de Roo war als Fagottist Mitglied des Rotterdams Philharmonisch Orkest. Nach seinem Dirigentdebut 1979 beim Cabrillo Music Festival machte er rasch Karriere und hat seither an vielen wichtigen Häusern gearbeitet: vom Concertgebouw Amsterdam bis zum Wiener Konzerthaus, von der Alten Oper in Frankfurt bis zur Royal Festival Hall in London. 1984 kam er als Kapellmeister an die Staatsoper Stuttgart, 1992 wurde er Musikdirektor in Innsbruck, zwei Jahre später zusätzlich Chefdirigent des National Symphony Orchestra of Ireland. 
Insbesondere am Tiroler Landestheater in Innsbruck konnte de Roo mit Opern des 20. Jahrhunderts deutliche Akzente setzen: Bela Bartoks „Herzogs Blaubarts Burg", noch heute in bester Erinnerung, wurde zum spannenden erotischen Psychothriller, zu dem „de Roo eine ungemein facettenreiche, fauvistische Deutung der Bartókschen Partitur beisteuerte". „Bei Stravinsky", bestätigt die Kritik „ist er zu Hause" und schafft mit dem Innsbrucker Symphonieorchester für „Rakes Progress "eine spritzige, funkelnde und delikate „klassische" Klangwelt". 
Igor Strawinsky und auch Dimitri Schostakowitsch bilden in de Roos Schaffen einen besonderen Schwerpunkt. Mit „Le Sacre du Printemps" überzeugte er in Stuttgart und Dublin, mit Schostakowitschs „Symphonie Nr. 6" (gemeinsam mit dem National Symphony Orchestra of Ireland) entlockt er im Saal Tirol dem Orchester "ein Maximum an Ausdruck und Bravour und dem Publikum stürmische Ovationen".


 

Nach der Direktion in Innsbruck gilt sein Augenmerk wieder verstärkt der Neuen Musik: 1999 gründet er gemeinsam mit dem Komponisten und Festivalleiter der Klangspuren, Thomas Larcher „Windkraft – Kapelle für Neue Musik", deren Chefdirigent und „künstlerischer Motor" er bis heute ist. 
Bei weiteren Ensembles ist Kasper de Roo ebenfalls an der Entstehung beteiligt: 2008 beim griechischen „Ergon Ensemble" und 2011 beim Ensemble ConTempo Beijing, dem ersten chinesischen Ensemble für zeitgenössische Musik, gegründet am China Conservatory of Music, wo de Roo als Guest Professor tätig war. 
Immer wieder arbeitet Kasper de Roo mit dem renommierten Ensemble Modern (Frankfurt) – die Suche nach dem „Nerv der Zeit" öffnet auch für ungewöhnliche Projekte die Ohren, etwa das Projekt RASALÎLA, bei dem Stars der indischen Kunstmusik für die Musiker des Ensemble Modern komponierten. Kasper de Roo leitete diese „west-östliche" Begegnung mit Konzerten in Frankfurt, Berlin, Köln und Venedig. 
Ähnlich spannend ist auch die Auseinandersetzung mit der japanischer Musiktradition, ebenfalls mit dem Ensemble Modern (Frankfurt) und dem Reigakusha Gagaku Ensemble Tokyo (2015/2017) („Music with Silent Aitake´s).
Ein neues Format wurde mit dem Stummfilm-Projekt „Tabu" in der Kölner Philharmonie geschaffen: Die rumänische Komponistin Violeta Dinescu hat zum Stummfilm-Klassiker von Friedrich Murnau neue Musik geschrieben. Nach der Uraufführung in Köln wurde das Projekt von Alexander Pereira ans Wiener Konzerthaus geholt.
Aktuell arbeitet de Roo am Zustandekommen einer Uraufführung von Johannes Maria Staud mit dem Ensemble Windkraft und seit langer Zeit hegt er einen großen Wunsch: „Oedipus", eine selten gespielte Oper von Wolfgang Rihm, komponiert für eine große Bläserbesetzung mit Schlagwerk (also ideal für „Windkraft – Kapelle für neue Musik") in Tirol szenisch oder zumindest halbkonzertant aufführen zu können.

 

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Ansprechpartnerin

Windkraft - Kapelle für Neue Musik
Geschäftsführerin
Sabine Pircher

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